Ein Angebot der Evotec GmbH, Arnsberg

Was steckt hinter den Namen V2A und V4A?

V2A und V4A gehören zu den Handelsnamen, die Hersteller und Verarbeiter seit der Erfindung der nichtrostenden Stähle 1912 verwenden. Eindeutig benannt wird eine Sorte heute mit Werkstoffnummer und Kurzname nach DIN EN 10088. Mit V2A sind häufig 1.4301 und seine kohlenstoffarme Variante 1.4307 gemeint, mit V4A 1.4404 und 1.4571.

Der Kurzname verrät die Zusammensetzung: X steht für einen legierten Stahl, die Zahl danach für das Hundertfache des mittleren Kohlenstoffgehalts, dann folgen die kennzeichnenden Elemente und ihre mittleren Gehalte in Prozent. Der Unterschied zwischen beiden Familien ist das Molybdän: Etwa 2 % davon machen V4A beständiger gegen Chloride, wie sie in Streusalz und Seeluft vorkommen. Die vierte Sorte hier, 1.4305, ist ein Chrom-Nickel-Stahl wie 1.4301, aber mit einem Schwefelzusatz für kurze Späne.

Auf die Zeichnung gehört deshalb nicht „V2A“ oder „Edelstahl“, sondern die Werkstoffnummer mit Norm, etwa „1.4404 nach DIN EN 10088-3“ für Stab und Halbzeug oder „DIN EN 10088-2“ für Blech. „Edelstahl“ allein umfasst auch Werkzeug- und Wälzlagerstähle mit ganz anderen Eigenschaften.

Kurzname lesen

1.4301 · V2A

Xlegierter Stahl50,05 % CCrNiChrom, Nickel18-1018 % Cr, 10 % Ni

1.4404 · V4A

Xlegierter Stahl20,02 % CCrNiMoChrom, Nickel, Molybdän17-12-217 % Cr, 12 % Ni, 2 % Mo

Aufbau des Kurznamens nach DIN EN 10088; die Gehalte im Kurznamen sind Mittelwerte, keine Grenzen.

Die Sortenwahl

Fünf Fragen: Umgebung, Schweißnaht, Zerspanungsanteil, Magnetismus, Oberfläche. Die Sortenwahl prüft jede der vier Sorten gegen Ihre Angaben und ordnet sie. Umgebung und Schweißnaht bestimmen Ampel und Reihenfolge, an der Küste auch die Oberfläche; Zerspanung und Magnetismus liefern Hinweise je Sorte. Zu jeder Aussage zeigt die Sortenwahl Regel und Quelle.

Die fünf Fragen rechnen in Ihrem Browser, und dort ist JavaScript gerade abgeschaltet. Nachvollziehen lässt sich die Entscheidung dennoch: Weiter unten steht sie für drei Beispielteile ausformuliert, daneben jede Regel mit ihrer Quelle.

Beispiel laden

1Wo arbeitet das Teil?
2Wird am Teil geschweißt?
3Hoher Zerspanungsanteil?

Viele Bohrungen und Gewinde, viel abzutragendes Material oder ein Teil, das immer wieder gefertigt wird.

4Muss das Teil unmagnetisch sein?
5Oberfläche
Wirksumme einer Charge nachrechnen (optional)

Chrom und Molybdän aus der Analyse im Werkstoffzeugnis, in Massenprozent. Die Sortenwahl rechnet die Wirksumme aus und sagt, ob sie näher an den Sorten mit oder ohne Molybdän liegt; welche Sorte geliefert wurde, steht im Zeugnis.

Ihre Eingaben werden nicht übertragen und nicht gespeichert.

Sorten im Vergleich

Wirksumme der vier Sorten

  • 1.4301 V2Aetwa 18,0
  • 1.4305 Automatenstahletwa 18,0
  • 1.4404 V4Aetwa 23,6
  • 1.4571 V4A mit Titanetwa 23,6

Noch nicht bestimmt. Wählen Sie die Umgebung und klicken Sie auf „Sorte bestimmen“ – oder laden Sie eines der drei Beispiele.

Vorprüfung, keine Zusage. Maßgeblich ist unser Angebot nach Prüfung Ihrer Zeichnung. Rechenweg: Jede Regel bewertet eine Sorte mit grün, gelb oder rot; es zählt die schlechteste Bewertung, bei gleicher Bewertung entscheidet eine feste Reihenfolge. Die Wirksumme rechnet W = %Cr + 3,3 · %Mo aus den Mittelwerten im Kurznamen der Sorte. Woher jede Regel stammt, zeigt die Tabelle der Regeln Zeile für Zeile.

Regeltabelle der Sortenwahl: 24 Regeln und 8 Hinweise mit Quelle

So entscheidet die Sortenwahl. Die Tabelle ist dieselbe Datei, aus der das Werkzeug rechnet (sorten.json); Stand 02.10.2026. Alle Regeln sind eigene Aussagen; die ISER-Merkblätter stehen nur als Verweis zum Weiterlesen. Wirksumme: W = %Cr + 3,3 · %Mo – allgemein bekannte Kennzahl der Werkstoffkunde, Pitting Resistance Equivalent ohne Stickstoff; erläutert u. a. in ISER Merkblatt 821 (Verweis).

Regeln je Sorte
BedingungWirkungAussageStufeQuelle
Umgebung innen, trocken · Sorte 1.4301passtTrockene Innenräume sind unkritisch: 1.4301 ist schon in normaler Außenluft beständig und damit innen wie außen geeignet.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)
Umgebung innen, trocken · Sorten 1.4404, 1.4571passtBeständig; das Molybdän bringt hier Reserve, die ein trockener Innenraum meist nicht verlangt – in normaler Atmosphäre setzt man vor allem Chrom-Nickel-Stähle ein.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 822 (Verweis)
Umgebung innen, trocken · Sorte 1.4305passt mit EinschränkungIn trockenen Innenräumen oft ausreichend; der Schwefel mindert die Korrosionsbeständigkeit etwas – prüfen Sie, ob sie für den Verwendungszweck genügt.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
Umgebung außen, Land oder Stadt · Sorte 1.4301passtFür Außenluft in ländlicher und städtischer Umgebung ohne nennenswerte Chloride der Standardwerkstoff.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 828 (Verweis)
Umgebung außen, Land oder Stadt · Sorten 1.4404, 1.4571passtBeständig, mit Reserve für mäßige Chloridbelastung, etwa gelegentliches Tausalz.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 828 (Verweis)
Umgebung außen, Land oder Stadt · Sorte 1.4305passt mit EinschränkungIm Freien wird die geringere Korrosionsbeständigkeit des Automatenstahls zum Risiko; nur nach Prüfung des Verwendungszwecks.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
Umgebung Küste oder Streusalz · Sorten ohne Molybdän (1.4301, 1.4305)passt nichtOhne Molybdän fehlt die Reserve gegen Chloride aus Seeluft und Streusalz; hier kommen die Molybdän-Sorten in Frage.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 822 und 828 (Verweis)
Umgebung Küste oder Streusalz · Sorten mit Molybdän (1.4404, 1.4571) · Oberfläche blank gefrästpasst mit EinschränkungAn Küste und Streusalz entscheiden Rauheit, Spalten und Ablagerungen am fertigen Teil über die Reserve des Molybdän-Stahls. Blank gefräst bringt das nicht sicher mit; ob eine Nachbehandlung nötig ist, ist je Teil zu klären. Elektropolieren führen wir nicht im eigenen Haus aus.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 822 (Verweis); Evotec GmbH, Leistungsstand 26.09.2026
Umgebung Küste oder Streusalz · Sorten mit Molybdän (1.4404, 1.4571) · Oberfläche gebeizt oder passiviertpasstNach dem Beizen oder Passivieren ist die Passivschicht frisch aufgebaut; wie viel Reserve der Molybdän-Stahl dann hat, hängt an Rauheit, Spalten und Ablagerungen und ist am fertigen Teil zu prüfen.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 822 (Verweis)
Umgebung chloridhaltige oder chemische Medien · alle Sortenohne BewertungKeine Bewertung ohne Medium: Korrosionsbeständigkeit ist kein fester Kennwert der Sorte, sondern hängt vom Medium und den Betriebsbedingungen ab.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)
geschweißt · Sorte 1.4301passt mit EinschränkungNach dem Schweißen kann diese Sorte in der Wärmeeinflusszone gegen interkristalline Korrosion anfällig werden; je dicker der Querschnitt, desto eher wird das zum Problem. Ob eine Wärmenachbehandlung nötig ist, hängt von Wanddicke und Verfahren ab – Grenzwerte nennen die Merkblätter und Normen, hier stehen keine.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
geschweißt · Sorte 1.4305passt nichtScheidet für geschweißte Teile aus: Die Sorte ist nicht für Schweißnähte vorgesehen und gegen interkristalline Korrosion nicht sicher beständig.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
geschweißt · Sorte 1.4404passtDer niedrige Kohlenstoffgehalt verhindert die Karbidausscheidung weitgehend; auch nach dem Schweißen beständig gegen interkristalline Korrosion und im Allgemeinen ohne Einschränkung schweißgeeignet.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
geschweißt · Sorte 1.4571passtDurch Titan stabilisiert und auch nach dem Schweißen beständig gegen interkristalline Korrosion; im Allgemeinen ohne Einschränkung schweißgeeignet.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
hoher Zerspanungsanteil · Sorte 1.4305passtAutomatenstahl mit Schwefelzusatz: kurze Späne, glattere Oberflächen, weniger Werkzeugverschleiß.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)
hoher Zerspanungsanteil · Sorten 1.4301, 1.4404, 1.4571HinweisAuch in einer Ausführung mit verbesserter Spanbarkeit erhältlich (gezielt eingestellter, geringer Schwefelgehalt): höhere Schnittgeschwindigkeiten als die Standardausführung, aber nicht auf dem Niveau des Automatenstahls. Beim Lieferanten abfragen.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
kein hoher Zerspanungsanteil · Sorte 1.4305passt mit EinschränkungOhne hohen Zerspanungsanteil bringt der Schwefel keinen Vorteil, nur die geringere Korrosionsbeständigkeit.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)
unmagnetisch gefordert · Sorte 1.4301HinweisEnthält aus der Herstellung in der Regel etwas Ferrit; Kaltverformung kann die Magnetisierbarkeit deutlich erhöhen.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 827 (Verweis)
unmagnetisch gefordert · Sorte 1.4305HinweisKann durch Kaltverformung vergleichsweise leicht magnetisierbar werden; Messreihen dazu stehen im ISER Merkblatt 827 (Verweis).Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 827 (Verweis)
unmagnetisch gefordert · Sorte 1.4404HinweisEnthält aus der Herstellung in der Regel etwas Ferrit; mit erhöhtem Nickelgehalt lässt sich die Sorte für geringere Magnetisierbarkeit herstellen (vorab mit dem Lieferanten klären).Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 827 (Verweis)
unmagnetisch gefordert · Sorte 1.4571HinweisWeitgehend unmagnetisch nur im lösungsgeglühten Zustand; Kaltverfestigung beim Umformen oder Zerspanen kann Verformungsmartensit bilden und die Sorte magnetisierbar machen.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 827 (Verweis)
jede SorteHinweisRichtwert der Wirksumme der Sorte (aus den Mittelwerten des Kurznamens, W = %Cr + 3,3 · %Mo).Faustregel (Literatur)allgemein bekannte Kennzahl der Werkstoffkunde, Richtwerte aus dem Kurznamen berechnet; erläutert u. a. in ISER Merkblatt 821 (Verweis)
jede SorteHinweisInterkristalline Korrosion: Einordnung je Sorte.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)
jede SorteHinweisFür Zeichnung und Anfrage: Werkstoffnummer, Kurzname und Norm der Sorte.NormBezeichnung der Sorte nach DIN EN 10088 (Verweis)
Hinweise im Ergebnis (höchstens vier, in dieser Reihenfolge)
BedingungHinweisStufeQuelle
Umgebung chloridhaltige oder chemische MedienNennen Sie uns Medium, Konzentration, Temperatur und Chloridgehalt. Für die Bewertung gibt es Beständigkeitstabellen wie die DECHEMA-Werkstofftabelle.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung; Beständigkeitstabellen u. a. DECHEMA-Werkstofftabelle (Verweis), vertiefend ISER Merkblatt 821
Umgebung Küste oder StreusalzBei dauerndem Kontakt mit Salzwasser reichen die hier verglichenen Sorten möglicherweise nicht; höher legierte Stähle, etwa Duplex 1.4462, wären dann zu prüfen. Schreiben Sie uns die Einsatzbedingung in die Anfrage.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 822 (Verweis)
geschweißt · Umgebung innen oder außenSoll es beim V2A bleiben: Die kohlenstoffarme Variante 1.4307 (X2CrNi18-9) ist auch nach dem Schweißen beständig gegen interkristalline Korrosion und im Allgemeinen ohne Einschränkung schweißgeeignet.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; Bezeichnung nach DIN EN 10088; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis)
geschweißtAnlauffarben an der Naht durch Formieren vermeiden oder nach dem Schweißen mechanisch oder chemisch entfernen, sonst leidet die Korrosionsbeständigkeit.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)
unmagnetisch gefordertSchreiben Sie einen Grenzwert der Permeabilität auf die Zeichnung. Lösungsglühen beseitigt Verformungsmartensit, Ferrit aus der Herstellung bleibt; für strenge Anforderungen gibt es nichtmagnetisierbare Stähle außerhalb dieser Sortenwahl.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 827 (Verweis)
Oberfläche gebeizt oder passiviertEloxieren, Härten und Beizen gehören nicht zu unseren eigenen Leistungen – sprechen Sie uns an, wenn Ihr Teil das braucht. Gebeizt wird, um Zunder und Anlauffarben zu entfernen; Passivieren beschleunigt die Neubildung der Passivschicht.Evotec-Angabe, Stand 26.09.2026Evotec GmbH, Leistungsstand 26.09.2026; Hintergrund zum Beizen u. a. ISER Merkblatt 822 (Verweis)
Oberfläche blankBlank gefräste Flächen bilden ihre Passivschicht an der Luft neu, wenn sie metallisch sauber sind – ohne Fremdrost, Ablagerungen und Anlauffarben.Faustregel (Literatur)eigene Zusammenfassung allgemeinen Werkstoffwissens; vertiefend ISER Merkblatt 821 und 828 (Verweis)
immerSchreiben Sie die Werkstoffnummer mit Norm auf die Zeichnung, nicht nur „V2A“, „V4A“ oder „Edelstahl“.NormBezeichnung der Sorte nach DIN EN 10088; vertiefend ISER Merkblatt 821 (Verweis)

Reihenfolge der Sorten: Bei gleicher Einstufung zuerst 1.4301, den Standard für normale Atmosphäre; bei Chloriden oder Schweißnaht zuerst die Chrom-Nickel-Molybdän-Stähle, die auch nach dem Schweißen beständig gegen interkristalline Korrosion sind; 1.4404 vor 1.4571 als feste Reihenfolge ohne Wertung. (eigene Festlegung der Rangfolge (Standard für normale Atmosphäre zuerst; bei Chloriden oder Schweißnaht zuerst die Sorten mit Molybdän, die auch nach dem Schweißen beständig sind); fachlicher Hintergrund u. a. in ISER Merkblatt 821 und 822 (Verweis))

So entscheidet die Sortenwahl: drei Beispiele

Drei Teile aus drei Umgebungen, jede Entscheidung mit ihrer Begründung – diese Fassung braucht kein JavaScript. Als Vorlage lassen sich alle drei oben in der Sortenwahl laden.

Skizze eines Beispielteils: Adapterplatte mit GewindebohrungenFlache Platte mit einer rechteckigen Tasche in der Mitte und vierzehn Gewindebohrungen am Rand, isometrisch gezeichnet.
Skizze eines Beispielteils: Adapterplatte

Adapterplatte im Schaltschrank

innen, trocken · nicht geschweißt · viele Gewinde · Magnetismus egal · blank

Trocken und ohne Salz genügt Chrom-Nickel-Stahl. Weil nicht geschweißt wird und keine Chloride im Spiel sind, bleibt der Automatenstahl als Option für kurze Späne – mit dem Hinweis auf seine geringere Korrosionsbeständigkeit. 1.4301 gibt es auch mit verbesserter Spanbarkeit.

  • 1.4301 passt
  • 1.4404 passt, mit Reserve
  • 1.4571 passt, mit Reserve
  • 1.4305 mit Einschränkung: geringere Korrosionsbeständigkeit, dafür kurze Späne

Empfehlung 1.4301

Skizze eines Beispielteils: Halter, an ein Vierkantrohr geschweißtWinkelförmiger Halter mit zwei Bohrungen, mit einer Kehlnaht auf ein Vierkantrohr geschweißt, isometrisch gezeichnet; die Naht ist orange hervorgehoben.
Skizze eines Beispielteils: Halter, angeschweißt

Halter, an ein Gestell im Freien geschweißt

außen, Land oder Stadt · geschweißt · wenig Zerspanung · Magnetismus egal · blank

Die Außenluft allein würde 1.4301 erlauben. Die Schweißnaht verschiebt die Wahl: 1.4404 und 1.4571 bleiben auch nach dem Schweißen beständig gegen interkristalline Korrosion, 1.4301 nicht sicher, und bei dickeren Querschnitten wird eine Wärmenachbehandlung des 1.4301 zum Thema.

  • 1.4404 passt
  • 1.4571 passt
  • 1.4301 mit Einschränkung: nach dem Schweißen nicht beständig gegen interkristalline Korrosion
  • 1.4305 passt nicht: für geschweißte Teile ausgeschlossen

Empfehlung 1.4404

Skizze eines Beispielteils: Lagerbock mit PassbohrungLagerbock mit Fuß, zwei Langlöchern und einem aufrechten, oben gerundeten Bock mit durchgehender Passbohrung, isometrisch gezeichnet.
Skizze eines Beispielteils: Lagerbock

Lagerbock für eine Klappe in Küstennähe

Küste · nicht geschweißt · wenig Zerspanung · unmagnetisch gefordert · blank

Seeluft verlangt Molybdän, also scheiden 1.4301 und 1.4305 aus. Für 1.4404 und 1.4571 gilt an Küste und Streusalz: Rauheit, Spalten und Ablagerungen am fertigen Teil entscheiden über die Reserve des Molybdän-Stahls. Blank gefräst bringt das nicht sicher mit, und Elektropolieren führen wir nicht im eigenen Haus aus; beide Sorten stehen deshalb nur mit Einschränkung da. Weil das Teil unmagnetisch sein soll, gehört ein Grenzwert der Permeabilität auf die Zeichnung.

  • 1.4404 mit Einschränkung: nur mit geklärter Oberfläche am fertigen Teil
  • 1.4571 mit Einschränkung: nur mit geklärter Oberfläche am fertigen Teil
  • 1.4301 passt nicht: ohne Molybdän
  • 1.4305 passt nicht: ohne Molybdän

Keine Empfehlung ohne Einschränkung

Was sagt die Wirksumme über die Korrosionsbeständigkeit – und was nicht?

Gegen Loch- und Spaltkorrosion zählt vor allem, wie viel Chrom und Molybdän ein Stahl enthält. Die Wirksumme fasst beides in einer Zahl zusammen: W = %Cr + 3,3 · %Mo. Molybdän wiegt also gut dreimal so schwer wie Chrom. Die Sortenwahl rechnet mit den Mittelwerten, die schon im Kurznamen stehen: 1.4301 hat 18 % Chrom und kein vorgeschriebenes Molybdän, also W ≈ 18,0; 1.4404 hat 17 % Chrom und 2 % Molybdän, also 17 + 3,3 · 2 = 23,6. Diese Richtwerte zeigen den Abstand der beiden Familien, mehr nicht.

Wie breit die Spanne wirklich ist, regelt die Norm. Ein Einzelbeispiel: Für 1.4404 lässt DIN EN 10088 Chrom von 16,5 bis 18,5 % und Molybdän von 2,00 bis 2,50 % zu; daraus ergeben sich Wirksummen von 23,1 bis 26,8. Welche Wirksumme Ihre Charge hat, zeigt die Analyse im Werkstoffzeugnis – die Sortenwahl rechnet sie Ihnen aus (Aufklappfeld „Wirksumme einer Charge nachrechnen“).

Die Kennzahl hat Grenzen. Sie beschreibt die Beständigkeit gegen Loch- und Spaltkorrosion, nicht gegen interkristalline oder Spannungsrisskorrosion. Sie rechnet nur mit der Zusammensetzung, doch Oberfläche, Spalte, Ablagerungen und Temperatur wirken mit: Korrosionsbeständigkeit ist keine feste Eigenschaft der Sorte, sondern hängt vom Einsatz ab. Stickstoff zählt bei höher legierten Stählen zusätzlich mit und bleibt hier außen vor.

Wirksumme W = %Cr + 3,3 · %Mo der vier SortenWaagerechte Balken für 1.4301, 1.4305, 1.4404 und 1.4571 auf einer Achse von 0 bis 28. Die Sorten ohne Molybdän liegen bei etwa 18,0, die Sorten mit Molybdän bei etwa 23,6. Richtwerte, gerechnet aus den Mittelwerten im Kurznamen der Sorte.1.4301V2AW etwa 18,01.4305AutomatenstahlW etwa 18,01.4404V4AW etwa 23,61.4571V4A mit TitanW etwa 23,60481216202428
Wirksumme je Sorte als Richtwert, aus den Mittelwerten im Kurznamen gerechnet
Die vier Sorten im Überblick
SorteKurznameFamilieBesonderheitRichtwert W
1.4301X5CrNi18-10V2AStandardsorte für normale Atmosphäreetwa 18,0
1.4305X8CrNiS18-9AutomatenstahlSchwefel für kurze Späne, nicht zum Schweißenetwa 18,0
1.4404X2CrNiMo17-12-2V4Amit Molybdän, kohlenstoffarmetwa 23,6
1.4571X6CrNiMoTi17-12-2V4A mit Titanmit Molybdän, durch Titan stabilisiertetwa 23,6

Kurznamen nach DIN EN 10088; Richtwerte aus den Mittelwerten im Kurznamen gerechnet, keine Normgrenzen. Maßgeblich ist die Norm in der gültigen Ausgabe.

Zerspanbarkeit: 1.4305 und der Schwefel

1.4305 enthält einen Schwefelzusatz; nach DIN EN 10088 liegt er bei 1.4305 zwischen 0,15 und 0,35 %. Zusammen mit Mangan bildet der Schwefel Mangansulfide, und die brechen den Span: Es entstehen kurze Späne, glattere Oberflächen und weniger Werkzeugverschleiß. Beim Bohren und Gewindeschneiden, wo lange Späne das Werkzeug zusetzen, zahlt sich das besonders aus.

Der Preis ist die Korrosionsbeständigkeit: Die Sulfide sind Schwachstellen in der Passivschicht. In trockenen Innenräumen ist 1.4305 deshalb eine Option, im Freien und bei Chloriden nicht, und zum Schweißen scheidet die Sorte aus.

Einen Mittelweg bieten die Standardstähle mit verbesserter Spanbarkeit: 1.4301, 1.4404 und 1.4571 mit gezielt eingestelltem, geringem Schwefelgehalt. Sie erlauben höhere Schnittgeschwindigkeiten und längere Standzeiten als die Standardausführung, erreichen die Automatenstähle aber nicht. Wer viele Bohrungen und Gewinde in 1.4404 braucht, lässt diese Ausführung am besten schon auf der Zeichnung zu; ob sie lieferbar ist, klärt der Händler. Welche Schnittwerte am Ende passen, hängt von Werkzeug, Maschine und Teil ab und gehört in die Arbeitsvorbereitung, nicht in eine Tabelle.

Skizze: Spanformen von 1.4301 und 1.4305 im VergleichLinks ein langer, gewundener Span, wie ihn zähe Standardsorten bilden. Rechts viele kurz gebrochene Späne des Automatenstahls; im Werkstoff darunter liegen Mangansulfide als kleine, gestreckte Einschlüsse.1.43011.4305123
Skizze: Spanformen im Vergleich, nicht maßstäblich
  1. langer, zäher Span einer Standardsorte
  2. kurz gebrochene Späne des Automatenstahls
  3. Mangansulfide im Werkstoff brechen den Span

Wo liegen die Grenzen dieser Orientierung?

Die Sortenwahl ordnet vier Standardsorten nach allgemeinem Werkstoffwissen und eigenen Regeln; eine Korrosionsberatung ersetzt sie nicht. Schwimmhallenluft, Chemikalien, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Teile mit Lebensmittelkontakt oder für medizinische Zwecke: Hier braucht es die Angaben zum Medium und eine Fachberatung. Dafür gibt es Beständigkeitstabellen wie die DECHEMA-Werkstofftabelle; für Schwimmhallen und Straßentunnel kommen höher legierte Sorten in Frage. Direkt im Meerwasser und im Spritzwasser kommen eher Duplexstähle wie 1.4462 in Frage als die hier verglichenen Sorten.

Zahlen nennt die Sortenwahl nur als Richtwert aus dem Kurznamen oder als Einzelbeispiel aus der Norm; maßgeblich ist DIN EN 10088 in der gültigen Ausgabe. Preise und Liefertermine nennt die Sortenwahl nicht. Edelstahl, V2A und V4A fräsen wir in Arnsberg als Kernleistung. Was bei Edelstahl zusätzlich auf Zeichnung und Anfrage zählt, steht auf der Seite Zeichnung und Anfrage bei Edelstahl.

Sechs typische Fehlgriffe bei der Sortenwahl

  • V2A an Küste oder Streusalz: Ohne Molybdän fehlt die Reserve gegen Chloride; typische Schäden sind Loch- und Spaltkorrosion.
  • 1.4301 geschweißt, dick und ohne Nachbehandlung: Die Naht sieht gut aus, die Wärmeeinflusszone daneben ist es nicht. Wer schweißt, nimmt 1.4404, 1.4571 oder die kohlenstoffarme V2A-Variante 1.4307.
  • Automatenstahl im Freien: Der Schwefel, der Späne bricht, schwächt die Passivschicht. Im trockenen Innenraum ist das vertretbar, außen nicht.
  • „Edelstahl“ ohne Werkstoffnummer auf der Zeichnung: Der Lieferant muss raten, und ob die gelieferte Sorte zum Einsatz passt, bleibt Zufall.
  • Magnet als Echtheitstest: Kaltverformte V2A-Teile haften am Magneten und bleiben trotzdem Edelstahl. Aussagekräftig ist das Werkstoffzeugnis, nicht der Magnet.
  • Fremdrost auf blanker Fläche: Eisenabrieb von Stahlwerkzeugen, Bürsten oder Unterlagen rostet, und darunter kann Lochkorrosion beginnen. Edelstahl wird mit eigenen, sauberen Werkzeugen und Hilfsmitteln bearbeitet.

Weiterlesen: Merkblätter der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei

Die Informationsstelle Edelstahl Rostfrei (ISER) in Düsseldorf gibt Merkblätter heraus, in denen Tabellen mit Zusammensetzungen, Schnittwerten und Messreihen stehen. Wir geben diese Tabellen nicht wieder, sondern verweisen auf sie; wer die Zahlen braucht, liest sie am besten dort nach.

Die Erklärungen auf dieser Seite sind eigene Zusammenfassungen allgemeinen Werkstoffwissens. Maßgeblich für Werte ist die Norm DIN EN 10088 in der gültigen Ausgabe.

Häufige Fragen zur Sortenwahl

Der Schwefelzusatz bildet mit Mangan Mangansulfide, die den Span brechen: Die Späne werden kurz, die Oberflächen glatter, die Werkzeuge verschleißen weniger. Dafür ist die Korrosionsbeständigkeit geringer, und für geschweißte Teile scheidet die Sorte aus, weil sie gegen interkristalline Korrosion nicht beständig ist.

Im lösungsgeglühten Zustand sind austenitische Sorten wie 1.4404 weitgehend unmagnetisch. Ferrit aus der Herstellung und Verformungsmartensit, der beim Umformen oder Zerspanen entsteht, können sie aber leicht magnetisch machen. Braucht Ihr Teil einen Grenzwert, schreiben Sie ihn als Permeabilität auf die Zeichnung.

Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 02.10.2026

Aus der Sortenwahl in die Anfrage

Mit „In Anfrage übernehmen“ wandert die gewählte Sorte samt Angaben und offenen Punkten in Ihre Nachricht. Zeichnung und STEP-Modell hängen Sie an; alles Weitere klären wir mit Ihnen, bevor ein Angebot entsteht.

Zur Alten Ruhr 4a, 59755 Arnsberganfragen@evotec-gmbh.de