Edelstahl-Frästeile mit Sortenwahl
V2A, V4A oder Automatenstahl: Die Sortenwahl vergleicht Korrosionsbeständigkeit, Zerspanbarkeit und Schweißeignung nach offen gelegten Regeln. Ob wir Ihre Sorte fräsen, prüfen wir je Zeichnung.
Auf einen Blick
| Sortenwahl | 1.4301, 1.4305, 1.4404 und 1.4571 nach offenen Regeln verglichen |
|---|---|
| Fräsen | Ihre Sorte prüfen wir je Zeichnung |
| Oberfläche | blank gefräst; Beizen nicht im eigenen Haus |
Kurzabfrage
V2A, V4A oder Automatenstahl?
Welche Sorte ein Frästeil braucht, entscheidet zuerst sein Einsatzort: trockene Halle, Wetter, Streusalz oder Seeluft. Danach zählt, ob am Teil geschweißt wird. Wählen Sie beides – die Kurzabfrage nennt eine erste Einschätzung und zeigt die Wirksumme der Sorten. Die volle Sortenwahl ergänzt Zerspanung, Magnetismus und Oberfläche.
Wählen Sie eine Umgebung – die Einschätzung erscheint sofort.
Ihre Eingaben werden nicht übertragen und nicht gespeichert.
Die Auswahl hier rechnet im Browser; bei abgeschaltetem JavaScript antwortet sie nicht. Drei ausformulierte Beispielteile und alle Regeln mit ihrer Herkunft stehen auf der Seite zur Sortenwahl.
Wirksumme W = %Cr + 3,3 · %Mo
- 1.4301 V2Aetwa 18,0
- 1.4305 Automatenstahletwa 18,0
- 1.4404 V4Aetwa 23,6
- 1.4571 V4A mit Titanetwa 23,6
Richtwert, gerechnet aus den Mittelwerten im Kurznamen der Sorte (Chrom plus 3,3 mal Molybdän). Je höher die Wirksumme, desto beständiger die Sorte gegen Loch- und Spaltkorrosion.
Was Edelstahl beim Fräsen anders macht
Unter den nichtrostenden Stählen gelten die austenitischen als schwierig zu zerspanen – und austenitisch sind alle vier Sorten dieser Seite. Dafür gibt es drei Gründe: die starke Neigung zur Kaltverfestigung, die niedrige Wärmeleitfähigkeit und die große Zähigkeit.
- Kaltverfestigung: Wo die Schneide nicht sauber schneidet, sondern drückt, wird die Oberfläche härter. Jeder Schnitt muss deshalb unter die vom vorigen Schnitt verfestigte Schicht reichen, das Werkzeug darf nie reiben, und Gleichlauffräsen ist dem Gegenlauf vorzuziehen, der stärker verfestigt.
- Wärme: Diese Sorten leiten Wärme deutlich schlechter als unlegierter Stahl, grob gerechnet nur halb so gut. Die Hitze bleibt an der Schneide; scharfe Werkzeuge und reichlich Kühlschmierstoff halten den Verschleiß in Grenzen.
- Zähigkeit und Schnittkraft: Die Späne sind zäh und lang, die Kräfte hoch. Verlangt werden verwindungssteife Maschinen mit Kraftreserve, ein starr gespanntes Werkstück und eine kurze freie Einspannlänge des Werkzeugs.
Für die Fertigung heißt das: Die Maschine wird bei Edelstahl nicht bis an die Leistungsgrenze ausgelastet, und die Werkzeuge müssen stets scharf sein. Gewinde verlangen Sorgfalt, weil sich der Werkstoff auch beim Gewindeschneiden verfestigt. Das alles kostet Bearbeitungszeit. Leichter geht es mit dem Automatenstahl 1.4305, um den Preis geringerer Korrosionsbeständigkeit.
Die Zerspanung nichtrostender Stähle beschreibt die Informationsstelle Edelstahl Rostfrei ausführlich in ihrem Merkblatt 822; dort stehen auch Schnittwerte, die wir bewusst nicht abschreiben.
Ob wir Ihre Sorte fräsen, prüfen wir je Zeichnung. Ein Werkstoffzeugnis für das Halbzeug – etwa 3.1 nach DIN EN 10204 – gibt es nach Absprache.
- kaltverfestigte Schicht aus dem vorigen Schnitt
- zäher, langer Span
- Wärme staut sich an der Schneide
- Schnitttiefe größer als die verfestigte Schicht
- Vorschubrichtung
Diese Fachseite betreibt die Evotec GmbH aus Arnsberg. Nichtrostende Sorten wie 1.4301 und 1.4404 verarbeiten wir dort beim Stanzen und Umformen – für das Fräsen ist das noch kein Beleg, deshalb die Prüfung je Zeichnung. Gedacht ist sie für alle, die Teile mit Korrosionsanforderung konstruieren oder einkaufen.
- frisch gefräst: Schicht an der Schnittfläche verletzt
- an der Luft: Schicht bildet sich neu
- Eisenabrieb auf der Fläche: Fremdrost, darunter beginnt Lochkorrosion
Oberflächen nach dem Fräsen
Eine blank gefräste Fläche braucht keinen Schutzüberzug. Die Passivschicht, die nichtrostenden Stahl schützt, bildet sich nach einer mechanischen Bearbeitung an der Luft von selbst neu; wie schnell, hängt von Legierung, Luftfeuchte, Temperatur und Oberflächenausführung ab. Voraussetzung ist eine metallisch saubere Oberfläche: Fremdrost aus Eisenabrieb, Ablagerungen und Anlauffarben erhöhen die Gefahr von Lochkorrosion.
Gebeizt wird dort, wo Zunder oder Anlauffarben entstanden sind, etwa nach dem Schweißen; Passivieren beschleunigt die Neubildung der Passivschicht unter kontrollierten Bedingungen. Eloxieren, Härten und Beizen gehören nicht zu unseren eigenen Leistungen – sprechen Sie uns an, wenn Ihr Teil das braucht. Auch Passivieren und Elektropolieren führen wir nicht selbst aus.
Braucht das Teil eine Farbe, beschichten wir auch Edelstahl in der eigenen Pulveranlage – als Gestaltung, denn die Korrosionsbeständigkeit kommt von der Sorte, nicht vom Lack.
Häufige Fragen
V2A und V4A sind alte Handelsnamen; gemeint sind meist 1.4301 bzw. 1.4404 und 1.4571. Der Unterschied ist das Molybdän: V4A-Sorten enthalten etwa 2 % davon und sind dadurch beständiger gegen Chloride aus Streusalz oder Seeluft. Für trockene Innenräume und Außenluft ohne Salz reicht V2A in vielen Anwendungen.
Ja, aber mit mehr Aufwand als unlegierten Stahl. Austenitische Edelstähle verfestigen unter der Schneide und leiten Wärme schlecht. Sie brauchen scharfe Werkzeuge, reichlich Kühlschmierstoff, eine starre Aufspannung und Schnitte, die unter die verfestigte Schicht reichen – und damit mehr Bearbeitungszeit. Leichter geht es mit dem Automatenstahl 1.4305.
Nicht zwingend. Eine saubere, blank gefräste Fläche bildet ihre Passivschicht an der Luft neu. Gebeizt wird vor allem dort, wo Zunder oder Anlauffarben entstanden sind, etwa an Schweißnähten. Beizen und Passivieren gehören nicht zu unseren eigenen Leistungen. Fordert Ihre Zeichnung eine solche Behandlung, sprechen Sie uns an.
Sorte gefunden? Schicken Sie uns das Teil.
Mit Zeichnung, Werkstoffnummer und Einsatzumgebung prüfen wir, ob wir Ihr Teil aus dieser Sorte fräsen. Passt alles, erhalten Sie ein unverbindliches Angebot; fehlt etwas, fragen wir nach.